Domino Effect - gehört von Gotthard Rocks

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich lese normalerweise kaum Vorab-Bewertungen von neuen Alben, bilde mir lieber selbst meine Meinung darüber, da jeder Musik anders empfindet bzw. hört. Über die CD Domino Effect darf ich nun selbst vorab was schreiben. Ich bin weder ein Musikjournalist noch Musiker – es wird also keine klassische Preview, Review oder wie auch immer man das sonst nennt. Man verzeihe mir bitte, wenn ich vielleicht nicht immer die richtigen Fach- bzw. Spezialausdrücke benutze... Es folgen meine persönlichen Eindrücke, aus der Sicht eines auch durchaus kritikfähigen Fans. Ich finde nicht alles, was meine Lieblingsbands aufnehmen, automatisch prima und toll . Fällt meine Meinung positiv aus, dann hat mich ein Song bzw. ein Album wirklich überzeugt. Und sollte ich was zu meckern haben, dann tu ich das auch...

Bei Gotthard bin ich jetzt seit 13 Jahren dabei und ich stehe dazu, dass es 2 Alben gibt, die mir nicht so ganz zusagen. Die CD Lipservice brachte mir „meine“ Gotthards zurück und ich war gespannt darauf, was das Studioalbum Nr. 9 mit dem Titel Domino Effect zu bieten hat.

Einige generelle Infos zum Album: es erscheint weltweit am 27.04.07, laut Nuclear Blast in zwei Versionen: als normale CD mit 14 Songs und als Digipack mit 15 Songs. Als Produzenten waren wieder Leo Leoni und Ronald Prent verantwortlich. Von 5 Songs gibt es bereits Appetithäppchen auf der offiziellen Gotthard-Homepage. Als erste Singleauskopplung erschien am 30.03.07 der Titel The Call, allerdings nur in der Schweiz.

Wie immer bei neuen Werken meiner Lieblingsbands hat es einen Moment gedauert, bis ich mich traute, den„Play“-Knopf zu betätigen. Das erste Dominosteinchen kippt um... Master Of Illusion... Keyboard und Gitarre bauen einige Sekunden interessant zurückhaltend eine gewisse Spannung auf, aber dann geht die Post so was von ab! Die Kettenreaktion setzt ein – Stein um Stein bzw. Song um Song können mich mitreißen, berühren oder auch erstaunen.

Das Album rockt extrem – teilweise richtig schön hart, ein volles Brett, ein satter Sound! Die Regler der Gitarren stehen sehr weit rechts, die Voicebox kommt auch wieder zum Einsatz und es gibt einige klasse Soli. Die Gitarren knurren und beißen, dürfen aber auch mal schnurren. Der Bass hat bei einigen Songs eine sehr„tragende“ Rolle, die Drums treiben das Tempo hart an oder untermalen ideal. Alle Instrumente der Bandmitglieder kommen mehr als gut zur Geltung, unterstützt von Keyboard, Streichern, Klavier, Akkordeon, die stimmig eingesetzt sind. Streichinstrumente sind so ne Sache, gefallen mir nicht immer in Rocknummern - aber auf diesem Album sind sie meiner Meinung nach exzellent arrangiert. Ich mag es, wie sie mit abrocken oder die sanfteren Passagen unterstreichen.

Der Mix ist ideal – 10 Abgehnummern, 4 Balladen. Wobei für mich nur Where Is Love When It´s Gone eine klassische Ballade ist, im Sinn von ruhig, sanft, eher dezent instrumentiert. Die restlichen drei (Falling, The Call, Tomorrow´s Just Begun) haben so viel Power drin, sind für mich genial aufgebaute langsame Kracher mit Tiefgang.

Die Songs sind im Stil schon unterschiedlich angelegt, machen Spaß, der Beat geht in die Beine. Bei den Texten sollte man genau hinhören. Jeder von uns dürfte schon mal eine oder mehrere der geschilderten Situationen erlebt und gefühlt haben. Da wurde nicht nach dem Motto „jetzt reim dich hinten gefälligst, Inhalt und Aussage nicht so wichtig“ geschrieben. Ich stehe total auf Lyrics, die was rüberbringen, Gefühle vermitteln, Bilder in meinem Kopf erzeugen. Aus dieser Sicht ist Domino Effect auf jeden Fall das beste Gotthard-Album überhaupt. Eine sehr reife Leistung! Steves Ausnahmeröhre kommt wie immer grandios gut, bringt alle Stimmungen optimal rüber. Die mehrstimmigen Parts gehen ins Ohr und es gibt auch sehr interessante Voiceeffekte.

Ich bin mit der Rockmusik der 70er und 80er Jahren aufgewachsen – einiges erinnert mich an diese Zeiten. Es ist für mich gute ehrliche Rockmusik, die genau meinen Geschmack trifft. Ich mag wirklich alle 14 Songs total, aber natürlich hat man seine ganz speziellen Faves:

Gone Too Far – geht ab wie Hölle, der Song hat für meine Ohren stellenweise einen leicht arabischen Touch, zudem zweistimmiges Gitarrensolo > perfekt!

Letter To A Friend – fantastisch aufgebauter Song, Musik und Text lassen mein Herz aufgehen. Hier erlaube ich mir einen einzigen Vergleich: eine Stelle des Songs hat mir ne ganz dicke Gänsehaut eingebracht, da sie mich so sehr an Steve Perry erinnerte. Wer Journey kennt, dürfte wissen was ich meine...

Come Alive – war ne kleine Überraschung, ist anders! Harter, aber sehr grooviger Sound, Bass geht voll ab, Voicebox - hier ein Kritikpunkt: der Song ist mir viel zu kurz!

Falling – durchgehend Gänsehautfeeling, Ballade mit extrem viel Power, steigert sich von Sekunde zu Sekunde und der Text verdient sich dann auch noch mal ein Extralob.

The Oscar Goes To... - faszinierend, wie die Streicher mit den Gitarren abrocken, eingängiger Refrain, klasse Gitarrensolo.

Master Of Illusion – verhaltenes Intro, startet dann voll durch, interessanter Text

Heal Me – sehr gitarrenlastige Abgehnummer, harte Drums, klasse Bassline – vom Feinsten!

Das Album bringt´s in jeder Beziehung – für mich ein Rockjuwel! Meine Gotthard-Diamanten werden immer die ersten 3 Alben bleiben – durch sie wurde ich zum Fan, sie haben daher eine besondere Bedeutung für mich. Aber Domino Effect ist aus meiner Sicht eine Fortsetzung dieser Alben, nur auf moderner ausgereifter Rockmusikebene und nem höheren Level. Gefällt mir noch besser als Lipservice und ich freu mich sehr darauf, die Songs live hören zu können!!!

Kritikpunkte - meine Ohren fanden keine. Außer, dass einer meiner Lieblingstracks so kurz ausgefallen ist...

Glückwunsch an Gotthard und ihr Team – das habt ihr verdammt gut hinbekommen!!! Den Oscar gibt´s ja nur für exzellente Schauspielleistungen, fällt in Sachen Musik aus – von uns gibt´s für euch den hausinternen Gotthard Rocks-Grammy für dieses sehr überzeugende Album! ;-)

Ein großes Dankeschön geht an Nuclear Blast für die Möglichkeit, diesen Text überhaupt schreiben zu können und zu dürfen!

Tracklist:

01. Master Of Illusion
02. Gone Too Far
03. Domino Effect
04. Falling
05. The Call
06. The Oscar Goes To...
07. The Cruiser (Judgement Day)
08. Heal Me
09. Letter To A Friend
10. Tomorrow´s Just Begun
11. Come Alive
12. Bad To The Bone
13. Now
14. Where Is Love When It´s Gone

© Marion für www.gotthard-rocks.de

 

© Gotthard / Fotograf: Caspar Martig

 

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