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Gotthard - aus meiner Sicht
by Marion
Wird ne etwas längere Abhandlung - wer mich kennt weiß, dass das Wort Kurzfassung mir in Sachen Musik eher fremd ist. Und in meinen derzeit 12 Fan-Jahren war einiges los...
Kleine Warnung: dieser Text enthält mehrfach Kritik! Sollten damit Probleme bestehen - besser nicht weiter lesen :-)
Die Musik
Die Musik von Gotthard und ich - wir begegneten uns 1994 zum ersten Mal. Ich war abends was am Schreiben, hatte nebenbei das Radio laufen... und der Moderator erzählte von nem neuen Album
einer Schweizer Band namens Gotthard. Sagte mir nichts... Mit halbem Ohr hörte ich zu... bis zwecks Soundcheck I´m Your Travellin´ Man gespielt wurde. Der Song faszinierte mich von der ersten Sekunde an und
als der Sänger loslegte wusste ich sofort, was ich mir am nächsten Tag dringend kaufen musste. Die Stimme war grandios gut - genau die Art ausgefallene “anders“ klingende raue Röhre, auf die ich besonders stand und stehe. Die Musik groovte los, rockte dann bestens ab - das machte Lust auf mehr. Der Album-Titel Dial Hard wurde flott notiert, nur wie so oft konnte der Plattenladen hier vor Ort nicht damit dienen. Aber ich war es ja gewohnt, dass meine CD-Wünsche meistens in ner Bestellung endeten.
Die Scheibe landete bei mir, ab damit in den CD-Player... und da kam sie so schnell nicht wieder raus. Das Album überzeugte mich auf der ganzen Linie. Ehrlich gesagt überraschte es mich,
dass diese Band aus der Schweiz stammte - ist ja nicht gerade als Mekka der Rockmusik bekannt. Ich kannte zwar einige Bands aus diesem Land, aber da hatte es nie großartig gezündet - bei Gotthard wurde allerdings
ein Großfeuer mit Dauerflamme daraus.
Das Gotthard-Gesamtpaket gefiel mir also verdammt gut und beförderte sie in meine persönlichen Top 10 - ein Stammplatz war ihnen sicher. Schnell besorgte ich mir ihr Erstlingswerk Gotthard, das
meine Begeisterung noch steigern konnte.Dann wartete ich sehnsüchtig auf Nachschub. Und das Warten gehört nun wirklich nicht zu meinen Stärken... 1996 hatte es ein Ende - das Album G. erschien und konnte mich wieder von der ersten bis zur letzen Sekunde in seinen Bann ziehen.
Die ersten 3 Alben haben sich bei mir im Laufe der Jahre im Player bewusstlos gelaufen. Die Mixtur von Abgeh-Rock mit krachenden Gitarren, treibendem Bass & Drums, ideal eingesetzten Keyboards, Blues-Elementen, ein bisserl Boogie Woogie, ansprechenden Balladen, Voicebox und Wah-Wah-Effekten - melodisch, kraftvoll, mitreißend... Dazu die
sagenhafte Röhre von Steve Lee, die mir Gänsehaut verbretzelt - der Mann rockt und fetzt, knurrt und schnurrt... Er spielt mit seiner Stimme, variiert, bringt verschiedene Nuancen, mal höher, mal tiefer - einfach
nur genial! Sorry, wenn ich jetzt Vergleiche ziehe - ich sage ja nicht, er klingt wie der und der... Steve Lees Stimme ist einzigartig wie die aller meiner Lieblingssänger auch... Meine Meinung: er hat in
singtechnischer Hinsicht jeweils ein bisserl was von Bon Scott, Steve Perry, Axl Rose, C.J. Snare, Gary Cherone und Lou Gramm. Das war mein Empfinden beim ersten Hörkontakt... Ich liebe Stimmen, die mir gleich unter
die Haut gehen und mich berühren... Und bei Gotthard hab ich in dieser Hinsicht echt Glück, denn auch die Stimme von Leo klingt etwas “schräg“ und sehr speziell. Marcs dunkle Stimmlage liegt mir ebenfalls und der Harmoniegesang der Band kommt exzellent rüber. Und mein Hang zu Gitarrenparts kommt voll auf seine Kosten - Leo und seine jeweiligen Klampfenkollegen brettern einem ganz schön was ins Gehör!!! Solis können mir nie lange genug sein! Die Lyrics - einige davon haben ne ganz spezielle Bedeutung für mich... Viele Bands spielen Cover-Songs ein, wobei man bei einigen froh wäre, sie hätten es gelassen. Bei Gotthard ist das anders - sie haben z.B. Songs von Deep Purple, Led Zeppelin, Beatles, Hollies und Manfred Mann gecovert und zwar so verdammt gut, dass mir ihre Versionen fast besser gefallen als das Original... Es gäbe so einige Songs, die ich gerne mal in der Gotthard-eigenen Version hören würde... Ich verzichte übrigens darauf, meine Lieblingssongs aufzuführen. Es sind zu viele und es variiert, je nach meiner Laune...
Zurück in die Vergangenheit... 1997 wurde ein Live-Album angekündigt -De-Frosted: Gotthard and Friends live and acoustik. Ich liebe Livemusik über alles und war sehr gespannt auf
die Akustik-Versionen der Songs. Kam verdammt gut, prima arrangiert und umgesetzt - ein Hochgenuss. Die ganzen Rockknaller im frischen Gewand, die Balladen noch sanfter und ergreifender... einen neuen Song gab´s
zusätzlich... Album als Volltreffer eingestuft! Frau Fan war happy und freute sich aufs nächste Studioalbum.
Was dann 1999 rauskam... mit dem Titel Open... Ich lauschte und fragte mich, warum sie vor den Aufnahmen nicht zuerst mal den Lautstärkeregler für die Instrumente hatten reparieren
lassen. Ja, ich bin einer der Fans, die von diesem Album enttäuscht waren. Die Songs waren nicht schlecht, das nicht - aber es fehlte der Hammersound. Sie waren zu sanft, zu poppig, zu glatt... dem
Chart-Durchschnitt angepasst. Im Vergleich zu den ersten 3 Alben fanden die Gitarren nur dezent statt, Bass und Drums durften nicht in gewohnter Manier ran - es rummschte nicht wie früher und das fehlte mir
gewaltig! Ich hoffte, dass die Band nur mal was Neues ausprobieren wollte und bei der nächsten CD hurtig zurück zu ihren Wurzeln finden würde. Ich ahnte nicht, wie lange dieser Weg sein sollte...
Tapfer wartete ich bis mir 2001 Homerun in den Briefkasten segelte. Mit gemischten Gefühlen legte ich die CD in den Player... und stellte fest, dass die Jungs sich verlaufen hatten. Den Weg back zur fetzigen Rockmusik hatten sie jedenfalls nicht gefunden. Für Homerun gilt das Selbe wie für Open - gute Songs, aber viel zuviel Weichspüler benutzt. Ein Highlight hatte die Scheibe - der Titeltrack zählt bis heute zu meinen Lieblingssongs. Für die Band dürfte Heaven das
Highlight gewesen sein, denn die Single-Auskopplung schaffte Gold-Status. Ein schöner Erfolg, den ich ihnen natürlich mehr als vergönnte. Plötzlich mochten Leute Gotthard, die sie vorher z.B. als Radau-Band abgetan
hatten. Ich fand´s schade, dass einer meiner Rock-Faves nun auf der Kommerz-Musikschiene zu finden war. Balladen mag ich sehr, auch gerne mal was in Richtung Pop, aber bei “meinen“ Rock-Bands muss ersteres wohldosiert sein und zweiteres sollte besser außen vor bleiben.
2002 brachte gleich 2 VÖs - zuerst kam eine Compilation unter dem Titel One Life One Soul - Best of Ballads raus und die hatte 2 Frischlinge mit an Bord... Wieder nix mit abrocken
- so langsam ließ ich in Sachen Gotthard entmutigt die Ohren hängen...
...welche sich dank der nächsten VÖ 2002 wieder etwas aufrichteten: die erste Gotthard-DVD kam auf den Markt. More Than Live war wieder ein Leckerchen für mich, weil live, weil gute Stimmung, weil die alten Songs und auch die neuen auf der Bühne geil rüberkamen...
Human Zoo war 2003 der nächste Silberling. Die Band hatte sich von ihrem Standard-Produzenten Chris von Rohr getrennt und der neue Mann am Mischpult hieß Mark Tanner. Okay, es gab nen Trend in die -für mich- richtige Richtung, es ging wieder härter zur Sache. Die Titel wirkten allerdings überzogen, fachmännisch heißt das wohl überproduziert. Man wollte scheinbar zuviel des Guten und schoss etwas am Ziel vorbei... aber nur etwas... Human Zoo zeigte ne gute Entwicklung und ich mag einige Songs darauf richtig dolle :-)
Dann gab es viele Veränderungen bei Gotthard - sie machten sich praktisch selbstständig und gründeten G.Records, wechselten das Management, Gitarrist Mandy Meyer stieg aus, für ihn kam
Freddy Scherer in die Band. Es ging Schlag auf Schlag... und ich war neugierig, was das alles für musikalische Auswirkungen haben könnte. Wenn Leo selbst als Produzent tätig wird, ein Vollblutmusiker am Steuer...
zudem ein neuer Musiker an Bord - das konnte nur was sehr Gutes bedeuten...
Zuerst kam aber 2004 eine weitere Compilation ins Haus... die hatte es aber schon in sich. One Team One Spirit ist ne Doppel-CD mit gesamt 36 Tracks, davon 4 neue. Als gutes Omen wertete ich einfach mal, dass die Rock-CD mit 19 zu 17 gegen die Balladen-CD “gewann“.
Ende 2004 unterschrieben Gotthard bei Nuclear Blast... Das konnte ich anfangs gar nicht glauben, da ich jede Menge Bands kannte, die bei denen unter Vertrag standen - und sorry, da passte
die Musik von Gotthard nicht dazu... Auf jeden Fall vertreibt G. Records die CDs in der Schweiz und NB im Rest der Welt - was natürlich für die Band von großem Vorteil ist... Seltsam fand ich, dass sie auf
Pressefotos teilweise komplett dunkel gewandet und mit Sonnenbrillen präsentiert wurden... ebenso in 2 Videoclips - passte alles so grad gar nicht zu ihnen... Ich fragte mich: machen die jetzt gerne ne Dunkel-Combo
aus Gotthard? Auf der Bühne präsentieren sie sich Gott sei Dank weiterhin wie früher auch... bei 6 schwarzen Gestalten on Stage hätte ich dann doch das Lachen nicht mehr halten können...
Es wurde 2005 und es wurde Lipservice-Zeit. Herrje, was war ich gespannt auf diese CD... produziert von Leo und Ronald Prent... ich hatte so große Hoffnungen... und sie wurden
nicht enttäuscht! Die ersten Töne von All We Are ließen mich schon strahlen... Wie früher liebe ich die Songs dieser CD von vorne bis hinten durchgehend. Die Mischung stimmt optimal - die Gitarren dürfen wieder dicke ran, die Rhythmusmannen donnern los, dazu Steves Ausnahmestimme in Hochform. Die Balladen sind traumhaft, aber brav in der Unterzahl. Die Lyrics haben für mich noch mehr Tiefe bekommen. Das ganze Team hat wirklich optimale Arbeit geleistet und ich war total begeistert, meine rockenden Gotthards zurück zu haben. Der Sound unterscheidet sich schon von dem der ersten Jahre, es rummscht auf ne andere Art und Weise - aber das halt genial gut! Die Herren Gotthard sind älter geworden, die langen Mähnen wurden im Laufe der Jahre gestutzt, sie hatten ne ruhigere poppige Phase... Verlernt haben sie das Rocken aber nicht, es geht nun wieder gewaltig ab, gitarrenlastig und fetzig - danke dafür!!!
Im April 2006 kam für mich dann die absolute Krönung namens Made in Switzerland Live in Zürich. Ein Doppeldecker - DVD plus Audio-CD. Eine mit exzellenten Musikern besetzte Band live on Stage ist der absolute Gipfel für einen Musikfreak wie mich. Im Konzert brennt die Hütte, die haben soviel Spaß auf der Bühne und der Funke springt aufs Publikum über - das alles wurde nun auf DVD/CD festgehalten. Die Songs der Lipservice CD gemixt mit den Top-Songs der anderen Alben plus dem Immigrant Song...
zudem ein sagenhaftes Drum-Duell zwischen Hena und Steve und einiges an Bonusmaterial auf der DVD - WOW!!! DER Hammer - das Elfmeterschiessen in Sachen beste Live-DVD hat die Schweiz zu null gewonnen ;-)
Schade, dass nicht alle älteren Videoclips als Bonus mit auf die DVD gepackt wurden. Hatte die mal aus der Schweiz auf ner Videokassette geschickt bekommen - die Freude darüber war kurz,
da mein Videorecorder das Band “auffraß“. Wo wir
gerade bei Videoclips sind: da bin ich schon etwas enttäuscht über teilweise mangelnde Kreativität - insbesondere der von Anytime Anywhere haut in der heutigen Zeit ja voll daneben - denn diese einfallsreiche Variante hat man inzwischen über... Meine Güte - es gibt Hunderte Videoclips nach dem Motto: Frau mit wenig an räkelt und tänzelt laziv rum, schwarzes Leder, dickes Auto, schweres Motorrad, coole Kerle... Video fertig. Wenn man nur so Rock-Musik mit nem Schuss Erotik Clip-technisch darstellen kann, dann gute Nacht!
Nun ist wieder warten angesagt... bis zum nächsten Studioalbum... hoffentlich dauert das nicht zu lange!
Die Bandmitglieder
Die Stammbesetzung formierte sich bereits Anfang der 90er und ist auch heute noch zusammen - was ja nicht unbedingt gang und gäbe ist... Sänger Steve Lee, Gitarrist Leo Leoni, Bassist
Marc Lynn und Drummer Hena Habegger sind wohl eine moderne Version der 4 Musketiere - wie sie auch selbst in Interviews sagten :-)
Nur der Platz des zweiten Gitarristen wurde im Lauf der Jahre umbesetzt - zuerst hatten wir auf diesem Posten den Tourgitarrist Igor Gianola, dann ab 1996 Mandy Meyer
(Ex-und-nun-wieder-Krokus), der als festes Mitglied gezählt wurde. Über seine Qualitäten an der Klampfe braucht man nicht zu diskutieren - der war schon gut. Auf mich wirkte er allerdings wie ein Stargitarrist, der
der Band die Ehre gibt, mit ihnen zu spielen. Ich hatte nie den Eindruck, er sei ein festes Mitglied von Gotthard - er schwebte irgendwie neben den anderen her. 2004 zog er von dannen und wurde durch Freddy Scherer
ersetzt, der früher mit Marc bei China spielte. Meiner Meinung nach eine sehr gute Wahl. Freddy harmoniert bestens mit Leo und ihren Gitarren-Duellen könnte ich stundenlang zuhören. Die jetzige Formation wirkt wie
eine kompakte Einheit, die verdammt viel Spaß beim Spielen hat und sich optimal versteht.
Zu Gotthard gehört auch ein Keyboarder, der aber nicht als festes Bandmitglied zählt. Momentan und schon was länger ist Nicolo Fragile an den Tasten zu finden, der dort einen sehr guten
Job macht. Sein Können darf er live auch in einem Solo zeigen. Für mich gehört er einfach zur Band dazu - ob als Mitglied aufgeführt oder nicht...
Für die Musikkompositionen und die Texte sind überwiegend Steve und Leo zuständig - ab und an unterstützt von Co-Autoren. Seit Freddy dabei ist, wird auch er ins Songwriting mit
eingebunden.
Dies und Jenes
Gotthard sind in der Schweiz sehr bekannt und sogar des öfteren im TV zu finden. Man kennt die Band weltweit, sie haben Millionen Alben verkauft. In Deutschland haben sie aber nicht den
Status, den sie meiner Meinung nach haben sollten. Fans sind schon jede Menge vorhanden, aber die Präsenz in TV und Radio... da kommen sie kaum vor - leider!
Ich war lange ein sehr einsamer Gotthard-Fan. Mitte der 90er lernte ich 2 weibliche Fans kennen, aber bei denen ging´s mehr um Steve und Hena als um die Musik... nicht mein Ding... Meine
Clique mag keine Rockmusik, kaum wer kannte die Band außer einer Mailfreundin von mir... Was war ich froh als sich Caro endlich dafür zu interessieren begann - die Lipservice CD war für so einiges gut :-) Nach einem Eintrag ins Gästebuch der offiziellen Seite kamen noch mal 2 Leute dazu - so langsam wird´s was...
Was leider daneben ging war der Versuch, Caro und mich im Fan-Club anzumelden. Also die Anmeldung auszufüllen und abzuschicken haben wir schon hin bekommen - nur warten wir seit Monaten
auf ne Rückmeldung und da kommt nix. Wie war das... die Schweizer sind etwas langsam?
Nun noch Grüße an Caro, Ilona aus Saarbrücken, Michi aus Berlin und Ulrike aus Bexbach... und an jeden, der bis hierher lesend durchgehalten hat ;-)
©2006 by Marion
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