Pförring 21.07.2007

Ein Trip der besonderen Art - Land unter inklusive

by Linus und Monti

 

Gotthard live in Pförring – ein Riesen-Open-Air und das zum Nulltarif – nicht ohne uns!!!

Da galt es doch dabei zu sein. Mal sehen, was die Vorgruppen so aufbieten, ob Gotthard das Open-Air-Feeling in Herxheim letztes Jahr vor unserer Haustür evtl. noch toppen und das Publikum so richtig mitreißen kann. Das waren die Gründe für uns, die 380 km (einfach) auf uns zu nehmen. Danach noch etwas aufgedreht, aber in der Gewissheit einen richtig coolen Tag verbracht zu haben. So oder so ähnlich sahen die Planungen vor dem geistigen Auge im Stenogrammstil aus.

Aber erstens kommt es anders... und zweitens als man denkt.

Zu den Fakten:

Abfahrt kurz nach 11 Uhr Ortszeit in Herxheim. Schließlich lagen geschätzte vier Stunden Fahrt vor uns. Und natürlich wollten wir auch die anderen Live-Acts nicht verpassen und uns relaxt auf das Highlight am späten Abend vorbereiten. Die Fahrt selbst bot nichts besonderes. Allerdings waren wir vom Wetter in Pförring überrascht. Bei uns war’s trocken und mit ca. 18 Grad ziemlich frisch, zwischendurch kurz Regen bei Ansbach und am Ziel – sagenhafte 27 Grad und Sonne satt. Das bekamen wir dank Klimaanlage im Auto erst gar nicht richtig mit. Der kluge Mann baut aber natürlich vor, so dass wir mit kurzen Hosen, T-Shirt, Badesachen und Handtüchern hin bis zu Jacken fürs schlechte Wetter bewaffnet für alle Fälle gerüstet schienen. Schließlich weiß man bei einem Open Air so fern der Heimat ja nie und wir wollten ja für „jedes Wetter“ gut gerüstet sein.

Die Parkplatzsuche gestaltete sich zu einem echten Volltreffer. Entgegen aller Hinweise fuhren wir zuerst mal bis fast an die abgesperrte Zone und hatten Glück: ein Stellplatz keine 100 Meter vom Baggersee entfernt – Frechheit zieht.

Danach war erst mal akklimatisieren angesagt, die Location erkunden, wo gibt’s ETW (Essen, Trinken, Wurst). Wir waren angenehm angetan. Direkt neben dem See, fast durchgängig Rasen, sinnvoll angeordnete Verpflegungsstände mit genügend Platz vor der Bühne, aber auch viele Sitzgelegenheiten im Hintergrund (überdacht mit einem riesigen Sonnensegel aus einem überdimensionierten Fallschirm) deuteten auf eine perfekte Organisation hin und ließ die Erwartungen an ein geiles Event steigen. Dass gleich hinter dem Mischpult eine große Leinwand aufgebaut war, auf der neben dem Geschehen auf der Bühne auch Schnappschüsse vom Publikum und die rockende Menge vor der Bühne gezeigt wurde, hatte was von „Public Viewing“. Es war also angerichtet. Die „lustigen Kumpels“ haben wirklich sehr gute Arbeit geleistet und keine Kosten und Mühen gescheut, die Konzertbesucher gut zu unterhalten.

Wir sind recht zeitig angereist, weil noch Treffs mit Mitgliedern des Gotthard-Rocks-Chats auf dem Programm standen. Aufgrund der übersichtlichen Location zu der frühen Uhrzeit hatten wir unsere Chatter Bine mit Mann Bernd und Sascha alias Mr. G schnell ausgemacht. Es entwickelte sich ein lockerer Small Talk, der die Zeit bis zum Festivalbeginn schnell vergehen ließ. Und wieder einmal zeigte sich, dass Gotthard Fans einfach gut drauf und unkompliziert sind. Alle Genannten kamen echt sympathisch rüber. Im weiteren Verlauf tauchten noch mehr bekannte Gesichter auf. Sei es, dass uns viele Leute durch Besuche von Gotthard Konzerten oder auch nur aus dem Netz in irgendeiner Weise nicht so ganz fremd vorkamen. Nancy (Kleine Magd) sicherte sich mit einigen anderen gleich einen Platz in der ersten Reihe. Wir zogen dagegen das gemütlichere Chillen in der Nähe der Verpflegungsstände vor. Hier zeigte sich mal wieder, wie klein die Welt ist. So reisten auch Fans aus dem Vogtland an – obwohl die Jungs im Herbst auch dort touren. Wir trafen Fans aus unserem Nachbarort, die wir bis dahin nicht kannten. Jule und Caro, gelistet bei den Friends auf der „MySpace Seite“ von Gotthard Rocks, waren auch da… Ein eigener Mikrokosmos vorwiegend bestehend aus Gotthard Fans. Und Monti musste mit Erstaunen feststellen, dass in Teilen Bayerns das Weißbier aus der Flasche getrunken wird. Etwas ungewöhnlich zog er die „Riesen-0,33 l Flasche“ leer und die Lust auf ein weiteres verschwand mit jedem Schluck, den er zu sich nahm, etwas mehr.

Ein Mitglied der „lustigen Kumpels“ erzählte vom Ursprung des Pförringer Open-Airs als einige lustige Jungs mit einem Trecker mit Anhänger, die Bordwände heruntergeklappt, zum See fuhren um Musik zu hören und ein schönes Fest zu feiern im kleinen Kreis. Von Jahr zu Jahr nahm dieses zur Tradition werdende Fest größere Ausmaße an und heuer feierte man zum 18ten Mal mit Gotthard als Headliner. Mit 10.000 Leuten rechnet man und das ist, wie wir meinen, eine mega Leistung die man gar nicht genug betonen kann.

Musik gab’s übrigens auch. So fiel der Formation Myris die undankbare Aufgabe des Openers zu. Die machten ihre Sache mit einer Mischung aus Pop und Rock zwar nicht schlecht, konnten die Masse der bereits zahlreichen Besucher jedoch nicht vor die Bühne locken. Das Wetter war gegen 18 Uhr einfach zu schön als dass man sich schweißtreibend vor der Bühne aufhalten musste. Es gab gemütlichere Plätzchen um die gemütlichen Versorgungsstände.

Etwas besser hatten es im Anschluss die Dezperadoz. Es begann zu dämmern, das Publikum war nun eher bereit, den Musikern die gebührende Anerkennung zu zollen. Die Band lag mit einer Mischung aus Country bis hin zu Metal wohl eher auf der Linie der Besucher. Uns persönlich war’s stellenweise zu speedlastig, wobei zwei, drei sehr ansehnliche Stücke dabei waren.

Mittlerweile wurde es dunkel, die Temperaturen gingen runter – einige Wenige befürchteten bereits ein Unwetter – doch die Wettervorhersage war sich sicher, dass erst gegen Mitternacht ein mögliches Gewitter erwartet werden könnte. Die Stimmung vor der Bühne ging rauf. Bei einsetzendem Nieselregen betraten My New Zoo die Bühne. Zunächst war nur ein weißes Tuch zu sehen, auf das der Sänger - unterstützt nur von einem Soundteppich der Drums - das Bandlogo sprühte. Danach ging’s richtig ab. Alle Musiker hatten zunächst das Band Logo, sprich Pferdeköpfe, auf den Schultern und rockten erst mal anonym. Die Performance hatte was… Das fand auch das Publikum, die trotz des stärker werdenden Regens richtig ausgelassen mitmachten. Einen besseren Einheizer konnten sich Gotthard gar nicht vorstellen. Der Sänger sprach noch zu dem Publikum, dass sie sich nicht von dem Regen beeinflussen lassen sollen, denn sie spielen „auf jeden Fall“ weiter – egal, wie viel es regnet. Er wandte sich noch gen Himmel und sagte so was wie: „kein Regen kann uns stoppen !“ Das war wohl zuviel und sollte bestraft werden. Obwohl völlig durchnässt, zog es immer mehr Leute vor die Bühne. Was da abging, konnten sie zuvor ja auf der Leinwand aus dem Hintergrund beobachten und animierte scheinbar doch gewaltig.

Was sich dann innerhalb kürzester Zeit abspielte, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Weltuntergang!!! Sintflut!!! Innerhalb kürzester Zeit öffnete der Himmel seine Schleusen, das Event wurde zunächst unter-, dann ganz abgebrochen. Wer die Nachrichtensendungen am Sonntag gesehen hat weiß, wovon wir reden. Zu dem literweise wie aus einem C-Rohr der Feuerwehr herunterkommenden Wassermassen „gesellte“ sich ein Temperatursturz von fast 10 Grad, Orkanböen und Hagelschauer trieben die Menge auseinander und die Musiker von der Bühne.

Helles Blitzen und überlauter Donner durfte natürlich auch nicht fehlen. Wir hatten das richtige Gespür; wohl durchnässt aber noch rechtzeitig erreichten wir unser Auto in privilegierter Position direkt am Eingang. Bine, Achim und Sascha fanden bei Mark im Merchandising Stand Unterschlupf, den Rest verloren wir aus den Augen. Während der nächsten ca. 40 Minuten versuchten Menschenmassen fluchtartig irgendwo Schutz zu finden, Kinder heulten aus lauter Angst von den Gewitterfolgen. Vermutlich sind viele auf den umliegenden Campingplätzen regelrecht abgesoffen. Später erfuhren wir aus dem Radio, dass im weiteren Umkreis Straßen bis zu einem Meter unter Wasser standen und als ob das nicht genug wäre, auch wegen mehrerer Erdrutsche gesperrt wurden. Auf der Straße hielt sich zu diesem Zeitpunkt vermutlich sowieso nur noch der auf, der keine andere Chance mehr hatte.

Nach dem Ende des Unwetters hielten sich noch erstaunlich viele Besucher auf dem Festivalgelände auf. Die ließen sich trotz der Absage des Events die Stimmung bei leichterem Regen nicht ganz verderben. Dann wurde eben selbst gesungen und getanzt, Schlammschlachten vor der Bühne zeichneten ein unwirkliches Bild – Woodstock in Bayern lässt grüßen. Die Veranstalter überraschten dann letztendlich noch mit einem grandiosen Feuerwerk, das eigentlich erst nach dem regulären Ende des Festivals geplant war. Die Verbliebenen quittierten das mit großem Hallo. Wir unterhielten uns noch kurz mit den verbliebenen Bekannten und traten bei wieder stärker einsetzendem Regen die Heimfahrt an. Jedoch nicht, ohne vorher festzustellen, dass in dem Haus vor dem wir unser Auto parkten gebürtige Südpfälzer wohnten, die uns noch ansprachen von wo wir herkommen, da sie unser Nummerschild sahen und es toll fanden, dass wir den weiten Weg nach Pförring auf uns genommen hatten, um diesem Spektakel beizuwohnen.

Auf der Heimreise begleitete uns fast durchgehend Dauerregen, immer gerade eine handbreit Wasser unterm VW-Golf. Die Fahrt gestaltete sich recht zäh. Wir mussten uns den verpassten Gig unserer Gotthardler mit den sonstigen Erlebnissen dieses Tages wenigstens etwas schönreden, um nicht ganz zu enttäuscht zu sein. Es gelang uns aber recht gut – wir sind halt schwer unterzukriegen.

Ohne den anderen Bands zu nahe treten zu wollen… Wir fragten uns, wie blöd man eigentlich sein muss, um sich gute 7,5 Stunden ins Auto zu setzen -  für einen Hagelschauer und ein Feuerwerk zu bestaunen. Trotz der fast 4 Stunden Heimfahrt blieben wir uns irgendwie die endgültige Antwort letztendlich selbst schuldig, aber nicht ohne uns des öfteren selbst auf den Arm zu nehmen.

Einen Lichtblick gab’s jedoch. Die Organisation, die Location, die Darbietungen bis zum Abbruch, das Drumherum war in Pförring einfach super!! Können wir reinen Gewissens einfach nur weiterempfehlen.

Das war eben ein Konzert, das eigentlich gar keines war und gerade deshalb wohl sehr stark in unserer Erinnerung verankert bleiben wird.

Linus und Monti

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Grau Note

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