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Pförring Open-Air 19.07.08
Pförring 2008 – nur ein Abklatsch des letzten Jahres? by Linus
Obwohl die Setlist am 2. Tag des Festivals drei Bands auswies, die bereits 2007 mit von der Partie waren, wurde natürlich nicht lediglich ein Revival geboten. Diese Bands konnten 2007
aufgrund der unvergesslichen Witterung (wer’s erlebt hat, wird den damaligen „Weltuntergang“ so schnell nicht vergessen) ihre Qualitäten leider nicht unter Beweis stellen. Insofern auch eine planerische
Meisterleistung der Lustigen Kumpels, die es fertig brachten Double You, My New Zoo und Gotthard an diesem
Tag erneut zusammen auf die Bühne zu bringen.
Der Wetterbericht stellte lediglich 10% Niederschlag – und den als Nieselregen – in Aussicht. Ansonsten angenehm warmes Sommerwetter. Na denn, es war angerichtet.
Um es vorweg zu nehmen> die einzigartige, weitläufige Location, die auch Rückzugsmöglichkeiten eröffnet; das bunt gemischte Publikum aller Altersklassen in Partylaune und die
hervorragende Organisation, die wieder keinerlei Wünsche offen liess - all das sind mit Sicherheit Gründe, die ein Kommen zum Pförring Open-Air unabhängig von den gelisteten Bands immer zu einem Erlebnis werden lassen.
Als ich nach entspannter Anreise – die obligatorischen Staus in Hockenheim (Formel 1 Wochenende) und am Kernkraftwerk bei Heilbronn inklusive – am späteren Nachmittag eintrudelte, hielten
sich die Menschenmassen in überschaubaren Grenzen. So blieb Zeit, einige mir bekannte Gotthard Fans zu begrüssen.
Gleich anschliessend eröffneten Ortsgespräch aus Ulm die Wartezeit auf Gotthard. Beim kurz zuvor durchgeführten Soundcheck kam mir das Ganze etwas suspekt vor. Irgendwie schien die Sache nicht zu harmonieren. Zu unterschiedlich waren die getesteten Bruchstücke der Songs. Ich tröstete mich damit, dass es Opener generell schwer haben und nicht unbedingt die erste Garde hierfür verpflichtet wird. Als es dann losging, sah ich mich positiv überrascht. Geboten wurde deutschsprachiger Pop, jedoch weit weg vom Mainstream-Schlager und mit allerlei guten Zutaten angerichtet. Respekt. So konnte die Sängerin mit einer echten Powerstimme überzeugen; sehr angenehm zuzuhören. Weiterhin tat sich die Bassline hervor, da der Basser einen mächtigen Groove einbrachte. Die Melodien erinnerten mich wohl zeitweise an Pur, allerdings nur oberflächlich. Durch eine Musik, die zwischen Pop, Funk, Soul und Rock pendelte, gestaltete sich die Performance richtig klasse. Textlich musste ich zwischenzeitlich etwas abschalten, da mir an diesem Tag nicht nach Tiefsinnigem oder Melancholischem war. Aber man konnte eben auch einfach die Musik geniessen. Alles in allem aber ein gelungener Auftritt – von wegen zweitklassige Opener!
Obwohl ich mich überwiegend zu den Liebhabern der rockigeren Klänge zähle, war die zweite Band Soon aus Hamburg gar nicht mein Ding. Stiefel, Hose, Oberteil komplett in schwarz traten die Jungs zum Dienst an. Fette Gitarren gaben die Richtung vor. Mir persönlich passte die Stimmung der gesungenen Parts nicht zum gewaltigen Rock der Musik. Insgesamt war mir das alles zu düster; so Richtung Gothic. Damit konnte ich leider nicht viel anfangen. Die beiden Reihen hinter mir sahen das anders und rockten kräftig mit. Zum Glück gibt’s unterschiedliche Geschmäcker.
Als Nummer drei gaben sich die Jungs mit dem ausgefallenen Opening die Ehre. My New Zoo aus Nürnberg enterten die Bühne. Diese Band hatte am Abend dann den Vorteil, dass sich bereits Tausende auf dem Festivalgelände und auch direkt vor der Bühne eingefunden hatten. So spielt es sich natürlich auch wesentlich entspannter. Zunächst wurde für alle die, die es akustisch nicht mitbekamen, der Bandname als Graffiti auf ein Tuch gesprüht. Das natürlich total vermummt und in Pferdemasken verpackt – lustig. Auch während des ersten Stücks zeigten die Herren ihre wahre Schönheit noch nicht, die Masken wippten im Takt. Danach zeigten die Jungs rein optisch ihr wahres Gesicht. So richtig gut drauf waren die Franken. Party pur war angesagt. Das sahen auch die Fans so. Viele Bemühungen zur Animation mussten nicht aufgebracht werden. Dieser Musikstil, für mich so ne Mixtur irgendwo zwischen Beatsteaks und Offspring, ging dann auch den Besuchern so richtig in die Beine. Texte waren hier Nebensache. Spass und Party standen im Vordergrund. Die perfekten Einheizer für den angekündigten Topact des Abends. Gotthard konnte kommen.
Dann wartete die gesamte Menge auf Gotthard. Bereits während der Umbaupause bemerkte
der geneigte Beobachter, dass anscheinend was mit dem Mischpult nicht stimmte. Das setzte sich zu Beginn der Show – glücklicherweise immer nur kurzzeitig und nicht durchgehend – fort. Wenn ich’s richtig gesehen
habe, funktionierte irgendwas mit Leo’s Sender nicht richtig. Der war dann auch des Öfteren „Backstage“ zur Fehlerbehebung. Auch dass die Befestigung an seinem Mikro nicht richtig funktionierte, trug nicht gerade zu
seinem Lustgewinn bei. Man sah ihm an, dass er leicht angefressen war; kein Wunder. Als dann die Security noch einen Idioten, der Party mit Prügelei verwechselte, aus dem Publikum zerrte und abführte, sah sich sogar
Steve zu einem kurzen Statement gezwungen. Kompliment an dieser Stelle an die Security, die verrichteten ihren Job schnell und ohne mehr Aufsehen als nötig. Ab diesem Zeitpunkt war dann Ruhe. Keine weiteren
Störungen – auch nicht technischer Art. All den Miesepetern, die wegen dieser Vorfälle an der Soundqualität herummoserten sei gesagt: Erstens hätten’s die Tontechniker auch lieber ohne Zwischenfälle über die Bühne
gebracht, und zweitens - that’s Liv(f)e. Da von den ganzen Missgeschicken lediglich die ersten paar Songs betroffen waren, konnte ab nun so richtig der Bär tanzen. Richtig viel trugen hierzu die Protagonisten auf
der Bühne bei. So versprühte Aushilfsbasser Nic Angileri dermassen viel Fun, so dass er zusammen mit Hena sogar Leo wieder ins Party-Boot holen konnte. Die Chemie stimmte nun wieder komplett und die Jungs legten
einen phantastischen Gig hin. (Mir persönlich gefiel dieses Mal das Intro von Leo zu Let it be sehr gut). Sie trieben sich gegenseitig zur Höchstleistung und hatten mächtig Spass dabei. Die Zuhörer dankten mit viel Applaus und konnten einmal mehr nicht genug kriegen. Doch noch einmal gab’s Unvorhergesehenes. Pünktlich zum Domino Effect öffnete der Himmel seine Schleusen. Wie aus Kübeln ergossen sich die Wassermassen über das Gelände. Aber heuer dauerte es nur ein paar Minuten und es störte insgesamt nicht wirklich. Leichter Nieselregen gab der ersten Zugabe Falling sogar irgendwie noch eine besondere Note. Dass nach der zuletzt selten gehörten letzten Zugabe Mighty Quinn die Stimmung einen letzten Höhepunkt erreichte, muss eigentlich nicht extra erwähnt werden.
Den Rausschmeisser gaben dann zu guter Letzt Double You. Sie hatten je nach
Sichtweise einen schweren Stand, da die Performance von Gotthard nicht zu toppen war. Andererseits waren die Besucher, die nun nicht das Festival verliessen – das waren noch verdammt viele – so richtig bei Laune.
Die Gunst des Publikums musste nicht mehr erspielt werden. Es galt jedoch das Level zu halten und den Leuten weiterhin Spass in grossen Portionen zu verabreichen. Hier hatte die Band dann auch ihre Stärke. Coverrock
vom Feinsten war angesagt. Handwerklich super rübergebracht, verstand es die Band durch eine Songauswahl, bei der wohl jeder zu mindestens 80 Prozent mitsingen konnte, die Party fortzusetzen. Stimmungstief
Fehlanzeige. Direkte Umfragen hätten bestimmt locker eine absolute Mehrheit fürs Feiern bis zum Morgengrauen gebracht.
Nun ratet mal wo der Tag Gute-Laune-technisch auf einer Skala von eins bis zehn von den Meisten eingeordnet wurde...
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