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-Deutsche Fanpage-

Unsere “Kleine”:
Sarkophag Rocks

Interview mit Freddy Scherer
vom 11.04.07 via Telefon

 

 

Wir haben auch beim Fragenstellen - wie immer - unsere eigenen Vorstellungen umgesetzt. Daher werden Interviews bei uns nie journalistische Standardwerke werden, sondern sie präsentieren unsere „neugierigen Nasen“. Wir fragen das, was uns interessiert und hoffen, einiges davon interessiert euch auch. Falls ein musikalischer Fachbegriff falsch geschrieben wäre - wir haben nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert, aber ob´s so stimmt... keine Ahnung... ;)

Marion von Gotthard Rocks sprach mit Freddy Scherer von Gotthard:


Gotthard Rocks: Glückwunsch an die Band – “Domino Effect” ist so was von genial geworden, rockt gewaltig. Habt ihr verdammt gut hingekriegt!

Freddy: Merci, besten Dank!

GR: Was sagt für Dich der Album-Titel “Domino Effect” aus - wie lautet in einem Satz die Botschaft, die dieser Name rüberbringen soll?

Freddy: Gut, Domino Effect steht eigentlich für eine Bewegung... wo etwas in Bewegung gebracht wurde und sich das weiterzieht. Ich denke, wie bei vielen anderen Gotthard Albentiteln ist auch das wieder ein Titel, wo sich jeder ein bisschen selber was drunter vorstellen kann. Ich denke – wie gesagt - auf der einen Seite hat es was mit Gotthard, mit der Band selbst zu tun, die schon 16 Jahre unterwegs ist und das Ganze noch weitergeht. Man hat gerade in den letzten 2-3 Jahren extrem viele neue Länder gewonnen wie Spanien, Schweden, Russland und Brasilien. Zum einen steht es dafür und zum anderen für Bewegung, für etwas was vorangeht und nicht stehen bleibt. Und das ist gut so!

GR: Wie lange habt ihr insgesamt mit allem Drum und Dran an dem Album gearbeitet?

Freddy: Ja gut, das ist schwierig zu sagen. Rein im Studio waren wir 2 ½ Monate am Aufnehmen... gut, minus Ferien sagen wir mal 2 Monate. Leo und Ronald Prent haben zwei Wochen lang gemischt. Das war die eigentliche Studiozeit. Wir waren ja bis Anfang November noch auf Tournee. Da waren wir in Griechenland unterwegs und sind im Grunde ohne Pause direkt ins Studio gegangen. Das heißt, wir haben in dem Sinn keine Pre-Produktion gemacht, bei der man dann eigentlich die fertigen Titel arrangiert, im Übungsraum durchspielt und noch ein bisschen ändert. Wir haben das eigentlich alles im Studio gemacht, von dem her sind zwei Monate extrem kurz.
Der Vorteil an der ganzen Geschichte ist natürlich, dass die Songs nicht im Voraus totgespielt werden, sondern dass man so wirklich die Jungfräulichkeit der Lieder auf Band bringt. Dadurch ist vieles spontan abgelaufen, was immer sehr gut für die Energie ist. Es gibt viele Platten oder viele Bands, wenn du da eine lange Vorproduktion machst, hast du das Problem... auf der einen Seite ist es gut, dass die Songs dann wirklich von A bis Z durchstudiert sind. Auf der anderen Seite kriegst du die Frische vom ersten Moment nicht mehr hin, als das Lied zum ersten Mal von der Band gespielt wurde.

Für uns war wirklich wichtig, ein bisschen von beidem zu haben und dass die Band wirklich frisch klingt. Wie gesagt: die Band ist seit 16 Jahren unterwegs und hat auch nicht mehr ein Durchschnittsalter von 20 Jahren. Und daher ist es schon ein wichtiger Punkt, dass man auch hört: die Band ist hungrig, man will nach vorne gehen und ich denke, das ist uns ganz gut gelungen.

Was das Songschreiben anbetrifft: da haben wir - denk ich mal - im letzten Sommer angefangen und das Ganze eigentlich immer zwischen den Festivals oder zwischen den einzelnen Touren zu Hause gemacht. Das ging so, dass wir meistens freitags, samstags und sonntags unterwegs waren, irgendwo auf einem Festival. Dann kommst du montags nach Hause und am Freitag fliegst du wieder ab. Das heißt, wir waren von Montag bis Donnerstag zu Hause, jeder für sich ein bisschen am Songschreiben... Leo, ich und Steve... Ich denke, wir sind dann Anfang Frühherbst das erste Mal zusammengekommen und haben uns gegenseitig die Ideen vorgetragen, diskutiert... was könnte man noch ändern und so.

Aber wie gesagt: das war immer ein bisschen zwischendurch, was auch den Vorteil hatte, dass wir dadurch wirklich objektiv zum Ganzen stehen konnten. Du hattest ja immer wieder Pausen zwischendurch, du warst wieder weg, dein Kopf war wieder im Live-Bereich. Du kommst eigentlich ganz frisch wieder zurück... frisch in dem Sinn, dass du ein bisschen abgeschaltet hast. Du hast dir die Lieder wieder angehört und dann weitergemacht. Die ganze Band ist extrem zufrieden mit dem Resultat und anscheinend hat diese Arbeitsweise sehr gut funktioniert.

GR: Habt nur ihr drei geschrieben oder sind wieder Fremde mitbeteiligt?

Freddy: Es waren eigentlich wie beim letzten Studioalbum Lipservice auch wieder die zwei Schweden Frederik und Anders dabei. Wenn ich es richtig im Kopf habe, haben sie bei vier Liedern mitgeschrieben. Sie waren – ich glaub, es war im November - für drei Tage hier bei uns im Tessin. Sie haben zwei, drei Ideen vorgeschlagen und wir haben auch unsere Songideen vorgetragen, die wir bis dahin schon gemacht hatten. Sie haben dann ihre Meinung dazu geäußert und wir haben den einen oder anderen Titel angepasst. Auf der anderen Seite haben wir ein-zwei Ideen von ihnen genommen und haben das Ganze ein bisschen umgeschrieben. Es war wirklich eine gute Zusammenarbeit - nicht eine intensive in dem Sinn, drei Tage sind nicht wirklich lange, aber wir haben das Maximum rausgeholt. Und am Schluss haben wir uns wirklich für die besten 14 Songs entschieden.

GR: Habt ihr nur die 14 Songs eingespielt oder weitere, die dann später auf Maxis als Bonustracks benutzt werden?

Freddy: Wir sind mit 17 Liedern ins Studio gegangen, haben schlussendlich 16 fertig aufgenommen – das heißt, dass zwei Titel noch als Bonustracks rauskommen. Ich denke, einer kommt in Japan raus, wenn ich richtig informiert bin. Ich weiß gar nicht, wie es in Deutschland genau ausschaut - sicher noch in Brasilien.

GR: Legen Leo und Du die Gitarrenparts alleine fest?

Freddy: Ja, absolut! Also bei uns läuft es so, dass wir eigentlich im Studio sehr individuell arbeiten, das heißt wir sind oder wir waren selten zusammen im Studio. Der Leo als Produzent war natürlich nonstop da und alles andere wurde individuell aufgenommen. Das Schlagzeug wurde aufgenommen, dann die Gitarren, der Gesang, die Keyboards und am Schluss noch der Bass. Wir waren eigentlich selten zusammen da.

Was natürlich heißt: sowohl die Gitarren wie auch das Schlagzeug und der Bass wurden nicht von allen vier mitbestimmt, sondern wirklich individuell eingespielt. Und das ist auch gut so, weil da kommt - sag ich mal - der einzelne Charakter auch wirklich raus. Da kann sich jeder entfalten und machen, was er will. Klar, das letzte Wort hat Leo als Produzent, weil er natürlich die Verantwortung hatte.

Einen Vorteil hatte, dass zum Teil Sachen so entstanden sind: wenn man am nächsten Tag wieder ins Studio ging, war da auf einmal ein anderer Drumbeat, ein bisschen anders als geplant aufgenommen, was dich wieder zu neuen Ideen anregt. Bei uns ist es ja wirklich so, dass jeder von uns doch sein Instrument seit gewissen Jahren spielt und du kannst... ich sag jetzt nicht blindlings, aber doch zu 99% den anderen vertrauen und deshalb muss die ganze Band auch nicht immer im Studio sein.

GR: Arbeitet ihr auch wie viele Bands lieber nachts?

Freddy: Wir haben diesmal halbwegs in die Nacht hinein gearbeitet, aber nicht irgendwie bis morgens um fünf. Es gibt immer Ausnahmen, aber normalerweise wurde in etwa bis Mitternacht gearbeitet und relativ früh begonnen ca. 11.30 Uhr.

GR: Die Texte sind sehr gut nachvollziehbar, da jeder schon mal in mindestens einer der beschriebenen Situationen steckte. Wie entstanden die Texte > eher persönliche Erlebnisse oder aus dem Leben anderer, aus der Phantasie oder ein Mix aus allem?

Freddy: Also erst mal: Steve hat eigentlich alle Texte selber geschrieben – nein, alle nicht, stimmt nicht. Es gibt zwei, drei Lieder – wenn ich es richtig im Kopf habe – welche Leo geschrieben hat, wie z.B. Falling. Gerade Falling ist natürlich sehr sehr persönlich. Und bei den anderen Liedern: Steve hat zum einen Teil persönliche Sachen und zum anderen Teil über Eindrücke geschrieben, aber in der Regel schon Beziehung dazu.

Dieses Album ist vielleicht ein bisschen weniger auf Partystimmung à la Lift U Up wie auf der Lipservice-Platte. Ich würde sagen, es ist schon tiefgründiger, in dem Sinn halt persönlicher und nicht nur Jubel, Trubel, Heiterkeit sondern ein bisschen mit Hintergrund und zum Teil auch ein bisschen philosophisch. Ich denke, auch in den Texten haben wir bzw. hat sich Steve extrem verbessert, auch gegenüber den letzten Platten.

Da gibt’s wirklich ein paar ganz ganz schöne Sätze darunter. Und wie gesagt, wir sind nicht mehr 20! Man darf auch ein bisschen ernster sein, ein bisschen weiser... und das ist genau so rausgekommen.

GR: Den Text des Songs “Letter To A Friend” mag ich besonders, weißt Du vielleicht wie der speziell zustande kam?

Freddy: Da war, glaube ich, auch der Leo ein bisschen involviert, wenn ich es richtig im Kopf habe - ich hoffe, ich hab das. (lacht) Den genauen Hintergrund weiß ich nicht mehr. Wenn ich es richtig im Kopf habe, geht es auch ein bisschen um einen selber. Aber alles andere, die ganz genauen Details, kann ich dir dazu nicht geben.

GR: Ihr rockt wieder gewaltig ab. Mir gefällt es sehr, da es das ist, was ich mir von Gotthard-Songs erwarte. Rein theoretische Frage: Sollte die Scheibe sich nicht so gut verkaufen (was sicher nicht der Fall sein wird) > wechselt ihr dann zu sanfteren Tönen oder bleibt ihr eurer jetzigen Linie treu?

Freddy: Ich denke, das eine hat mit dem anderen in dem Sinn nichts zu tun, weil... ich sag jetzt mal, Gotthard war sowohl rockig wie auch weniger rockig erfolgreich. Von daher kann man nicht sagen: weil das Album rockiger ist läuft es jetzt besser oder schlechter. Jetzt liegt es mehr an der Qualität des Albums als weniger an dem Härtegrad. Ich denke, Gotthard hat seinen ursprünglichen Stil wieder gefunden und das wird so weitergehen. Es gibt natürlich immer gewisse Änderungen - man versucht auch sich weiterzuentwickeln, sich nicht zu kopieren. Aber das hat jetzt nichts damit zu tun, wie das Album sich verkaufen wird. Wir werden uns nicht hinsetzen und sagen: wir müssen jetzt da noch härter oder softer werden. Das Ganze sollte ja auch eine Bauchgeschichte bleiben und nicht eine „ausgerechnete“ Platte.

Ich denke, dass das vielleicht bei gewissen früheren Platten der Fall war, wo man vielleicht Angst hatte, gewisse Fans zu verlieren, aber im Nachhinein...  gut, zum einen hat’s eine Erfahrung gebracht, aber es war ja nicht nur richtig, was da gegangen war... Aber ich denke, wir haben unseren Stil wiedergefunden und werden genau da weitermachen.

GR: Die neue Scheibe ist meiner Meinung nach noch ein gutes Pfund härter als Lipservice. Die Alben “Open” und “Homerun” waren mir zu sanft, zu poppig. Aber es gibt Fans, die gerade auf die beiden Alben stehen. Denkst Du, dass diese Fans akzeptieren können, wie es jetzt „abgeht“?

Freddy: Na gut, ich meine, man kann es im Leben nicht allen recht machen. Das gilt jetzt in jedem Bereich und auch in diesem. Obwohl ich sagen muss: auch auf der Domino Effect gibt es ja ein bisschen was von allem. Also, ich würde sagen: die härteren Nummern sind jetzt noch ein bisschen härter und wir haben ja trotz allem vier Balladen drauf, jede für sich eigentlich komplett verschieden, auf ne andere Balladenart, sag ich mal. Und weiter kann ich dir nichts sagen. Also ich hoffe/man hofft natürlich, dass es möglichst vielen gefällt. Das es gewissen Leuten nicht gefallen wird, das ist logisch, das muss sein, sonst stimmt was nicht. Je besser es wird oder je mehr du polarisierst, je größer ist natürlich die Gefahr, dass sich gewisse Leute zum einen mehr freuen und die anderen halt weniger.

GR: Der erste Titel heißt “Master of Illusion”. Im Music-Biz gibt´s meiner Meinung nach viele davon. Auch einige Fans leben in einer Welt aus Illusionen in Bezug auf Bands - sehen Bands so, wie sie gar nicht sind. Habt ihr in der Hinsicht schon witzige oder problematische Situationen erlebt?

Freddy: Was heißt problematisch... nein, denk ich jetzt nicht. Gut, wenn eine Rockband wie Gotthard jetzt seit 16 Jahren unterwegs ist, da muss ja was ehrliches dran sein, sonst wär´s gar nicht machbar. Ich denke, von jedem Mensch gibt es 2 Seiten. Man ist natürlich anders drauf, wenn man im Garten mit den Freunden grillt, als wenn man auf der Bühne ist - zum Glück. Vom dem her... das hat ja nichts mit Illusionen zu tun...

GR: Nein, nein, versteh mich bitte nicht falsch, ich meinte, dass manche Leute in euch etwas hinein deuten, was nicht da ist...

Freddy: Das kann durchaus sein... wenn ich jetzt wieder die Reaktionen auf das neue Album lese... 99 % sind gut. Dann gibt es welche, die immer noch behaupten, wir hätten immer noch zu wenig Härte drin. Ich weiß gar nicht, was die Leute zum Teil erwarten oder erwarten wollen. Ich denke, das ist keine natürliche Erwartung mehr, sondern sie haben irgendwas im Kopf, was überhaupt nicht stimmt. In dem Sinn sind nicht wir die Illusion, sondern sie selber. Oder sie haben irgendeine Illusion von etwas, was nicht stimmt.

Nur weil du eine Ballade aufnimmst - nur so als Beispiel – heißt es noch lange nicht, dass du die Ballade nur aufnimmst, um zu verkaufen. Die Band Gotthard hat zwei verschiedene Seiten: sie ist eine Rockband, die gerne auch Balladen schreibt. Die Balladen sind bei Gotthard nicht wegzudenken. Kann natürlich sein, dass gewisse Rocker dafür kein Verständnis haben, aber es ist halt so. Vielleicht haben die eine Illusion, dass wir das eigentlich nur aus Kommerzgründen machen, ich weiß es nicht. Das können wir nicht ändern, das ist halt so. Wir sind so - wir machen das, was wir wollen und wo die Band auch gut drin ist. Gotthard ist eine sehr emotionale Rockband mit sehr vielen Melodien und uns gefällt das. Wenn wir damit gewisse Illusionen von gewissen Leuten zerstören, wollen und werden wir das auch in der Zukunft nicht ändern.

GR: Ihr bleibt ehrlich!?

Freddy: Richtig.

GR: Ein Songtitel lautet: “The Oscar goes to you” > wenn Du Oscars verleihen dürftest, hättest Du schon viele für Schauspielleistungen der besonderen Art an andere verteilt?

Freddy: Schwierige Frage (lacht) Jein - ich meine, jeder Mensch schauspielert ja ab und zu ein bisschen. Vor allem in Extremsituationen - das heißt, wenn man sich nicht einig ist oder jemand was durchboxen will. Dann gibt’s natürlich schon gewisse Schauspieler mit mehr oder weniger Talent. Ich will da jetzt nicht näher darauf eingehen, lassen wir mal die Frage im Raum stehen...

GR: Bei “Come Alive” und “Bad to the bone” gibt´s sehr coole Voiceboxeinsätze und nen groovigen wilden Sound: wem darf man für diese klasse Ideen und ihre geniale Umsetzung danke sagen?

Freddy: Also gut, Talkbox ist schon immer gewesen und wird’s wahrscheinlich auch immer sein. Leonie-Abteilung, der absolute Fan davon. Und mit den anderen Geschichten – wenn ich es richtig im Kopf habe – kam schon vieles vom Leo her, was jetzt die Sounds angeht. Ich weiß jetzt nicht genau, was du meinst, aber ich denk, dass die Band natürlich ihren gesamten Input gibt und gewisse Sachen wurden vielleicht detaillierter von Leo bearbeitet oder einer anderen Person. Das kann ich dir nicht genau sagen, da müsste ich genau wissen, welches Teil du meinst... den Bass?

GR: Ja, an diesem groovigen Touch ist der Bass ja sehr beteiligt...

Freddy: Genau, genau, das kann sicherlich auch vom Gitarrenriff kommen und der Marc hat sicher auch seinen Beitrag geleistet.

GR: Auf jeden Fall und einen sehr guten...

Freddy: Richtig, so sieht´s aus.

GR: Das sind halt zwei Lieder, die mir besonders aufgefallen sind, weil sie etwas „anders“ sind...

Freddy: Ja, schon richtig. Vor allem Come Alive, das ist ein bisschen ein Lied, das eher im Studio konstruiert wurde. Es ja nicht unbedingt ein Lied, das du auf der akustischen Gitarre am Lagerfeuer spielen kannst. Wir hatten zuerst den Beat, haben uns dann zusammengesetzt und um den Beat den Song geschrieben. Es ist in dem Sinn vielleicht ein mehr konstruierter, grooviger Song als weniger ein 0-8-15 Lied - was auch immer 0-8-15 sagen mag - mit Strophe, B-Verse, Refrain, Strophe, B-Verse, Refrain. Also wie gesagt: es besteht eigentlich aus zwei Elementen, das ist der Verse und der Chorus und alles rundherum geht eigentlich wirklich um den Groove. Eine sehr gute Nummer für einen Club oder bei einer Party oder so. Und das ist eigentlich das Ziel von diesem Lied.

GR: Spielt Nicolo die Keyboards auf dem Album und wird er auf der Tour dabei sein??

Freddy: Er hat sowohl die Keyboards auf dem Album gespielt, auch wird er auf der Tour dabei sein. Das ist so.

GR: Die Streicher sind phantastisch eingesetzt und dürfen auch zeigen, dass sie richtig abrocken können. Werden diese Parts bei Konzerten vom Band eingespielt?

Freddy: Mit dem Band arbeiten wir eigentlich nicht, außer den Loop-Geschichten. Mit den Loop-Geschichten meine ich vor allem z.B. jetzt beim Lift U Up oder auch beim Come Alive hat’s einen Drum-Loop drunter. Abgesehen davon wird das Band eigentlich bei uns nicht groß eingesetzt, sondern es wird dann eher von Nicolo ausgesteuert.

GR: Wenn die Bands zu einem Band spielen müssen, nimmt’s meiner Meinung nach die Kreativität im Konzert etwas raus...

Freddy: Es ist natürlich immer die Frage... gut, das fängt ja im Studio schon an. Was nimmst du auf? Wie viel nimmst du auf? Wie viel Freiheiten lässt du dir im Studio mit kreativer Arbeit? Und du denkst eigentlich noch nicht zu viel darüber nach, wie man das schlussendlich live umsetzen kann. Was dann zum Teil ein bisschen ein Problem ist, da du erst bei den Proben merkst: oha! Es wird schwierig sein, das so umzusetzen. Und dann kommt an sich die Frage: wie könntest du es umsetzen - und dann natürlich auch: vom Band? Aber ich denke, bei unserer Produktion ist es nicht so extrem. Wir haben ja nicht 27.000 Tracks aufgenommen bei jedem Song, so das wir das nicht... ich sag jetzt mal handwerklich umsetzen können. Von dem her es kann sein, dass das eine oder andere kleine Detail fehlt. Aber es geht... ich sag jetzt mal zu 90-95 % werden wir es so umsetzen können.

GR: Was wird als zweite Single ausgekoppelt – noch mal eine langsame Nummer oder eine der Rocknummern?

Freddy: Da sind wir jetzt momentan noch am Hin und Her überlegen, das wissen wir noch nicht. Es gibt zwei Lieder, die sich jetzt ein bisschen rauskristallisieren. Vor allem z.B. in Ländern wie Spanien oder Frankreich haben jetzt alle nach The Oscar goes to you geschrien. Die Platte ist ja nicht mal veröffentlicht, geht ja noch drei Wochen, dann wird man schauen, wie sich diese weiterentwickelt. Es kann sowohl als auch sein. Das erste Video zur Single The Call haben wir letzte Woche gedreht. Aber es muss nicht unbedingt eine Ballade sein, die als zweite Single ausgekoppelt wird. Tendenziell eher eine rockige Nummer.

GR: Wie lange probt ihr für die kommende Tour?

Freddy: Wie lange wir proben? Schwierig zu sagen. Wir haben ja eigentlich das Ganze in drei Blocks aufgeteilt. Im Mai spielen wir vier kleine Konzerte in der Schweiz. Dann machen wir drei große Konzerte, anschließend kommen die Festivals den Sommer durch und dann kommt die große Tour. Wir werden das Ganze sicher aufteilen, in dem Sinn, dass wir jetzt ein erstes Set zusammenstellen. Für dieses Set proben wir etwa... wie lange proben wir da? In etwa drei-vier Wochen, nicht ganz am Stück. Und dann werden wir das bei den ersten sieben Konzerten live erproben, werden ein bisschen für die Festivals umstellen und dann natürlich noch mal sicherlich zwei-drei Wochen für die große Tour im Herbst proben.

Wo wir dann das eine oder andere ein bisschen umändern werden, was jetzt eventuell bei den ersten Konzerten geklappt oder nicht geklappt hat, weil... im Übungsraum ist die eine Geschichte, wie es nun live rüberkommt die andere. So werden wir auch ein bisschen auf die Publikumsreaktionen achten - was ist okay, was ist nicht okay. Das ist immer so, das Ganze entwickelt sich während des Jahres.

GR: In den Konzerten werdet ihr wohl nicht alle Songs vom neuen Album spielen. Wie wird die Setlist gemixt sein, mit wie vielen der neuen Titel können wir rechnen?

Freddy: Kann ich dir so nicht sagen. Ich kann dir sagen: bei den ersten sieben Konzerten, die wir jetzt zuerst spielen, sind - wenn ich das richtig im Kopf habe - auch gleich neun neue Songs dabei. Und wie gesagt, das kann sich noch ausweiten oder verkürzt werden. Das werden wir wirklich anhand der Publikumsreaktionen merken.

GR: Die Tourneen sind lang, wie haltet ihr euch fit?

Freddy: Ja gut, zum einen gewöhnt sich dein Körper ja an jede Situation. Der Mensch ist eigentlich ein Gewohnheitstier, sowohl in Stresssituationen wie auch in langweiligen Situationen. Also ich denke, der Körper stellt sich automatisch auf das ein. Wenn du zwei-drei Wochen unterwegs bist, dann gewöhnst du dich Punkt 1 an den Rhythmus und zweitens schauen wir natürlich schon... Jeder von uns macht ein bisschen Sport, die einen ein bisschen mehr, die anderen ein bisschen weniger. Aber das Ganze ergibt sich eigentlich. Auf der einen Seite ist es anstrengend und auf der anderen Seite macht es ja auch Freude. Das ist dann ein bisschen ein Mittelding – keine völlige Erschöpfung, sondern im Gegenteil, du bekommst auch viel Energie zurück. Von dem her mag es vielleicht auf dem Papier extremer ausschauen als es in Wirklichkeit ist. Das Ganze macht man ja mit Freude und da merkt man die Anstrengung eigentlich nicht so sehr. Steve muss natürlich am meisten von uns aufpassen. Gitarren spielen kannst du immer, Schlagzeug spielen kannst du immer - wenn aber die Stimmbänder was haben, wird es schwierig. Ich denke, Steve ist sicherlich der, der am meisten aufpassen muss und auch wirklich aufpasst. Er geht vielleicht eine Stunde früher schlafen als wir. Er raucht ja auch nicht und er trinkt nicht. Er trinkt gerne mal einen Whiskey oder zwei, aber spätestens nach dem zweiten ist bei ihm Schluss, wo es bei uns zum Teil auch noch einen dritten gibt.

GR: Was passiert, wenn einer von euch eine Erkältung hat > Mundschutz oder wird er aus dem Tourbus ausquartiert?

Freddy: Ja, es ist wirklich ein bisschen so in Extremfällen, das war auch schon auf der letzten Tour so, dass Steve zum Teil das ein oder andere Mal mit dem Privatwagen hinterher gefahren ist. Wenn drei, vier Leute krank sind, kann man nicht einen zusätzlichen Bus einsetzen (lacht) In der Regel schauen wir ein bisschen, uns nicht zu nah zu kommen, also dass die Kranken eher hinten im Bus schlafen, die Gesunden eher vorne.

GR: Ist nach den Erfahrungen der letzten Tour noch ein Vertrauensverhältnis zu einem Tourbus vorhanden?

Freddy: Nein, nicht wirklich. Tourbus ist Mittel zum Zweck, nicht mehr und nicht weniger.

GR: War ja witzig, dass er gleich zweimal liegen blieb.

Freddy: Dreimal! Im Prinzip ist da eher ein Nichtvertrauen- als ein Vertrauensverhältnis entstanden. Es sind nicht wirklich die angenehmen Sachen, wenn du früh morgens um drei dein ganzes Gepäck aus dem Bus rausnehmen und dir ein Taxi schnappen musst, zum Flughafen, in den Flieger, das ist mühsam. Das hätte zwischen den Konzerten nicht unbedingt sein müssen. Solche Sachen gehen an die Substanz, das ist so.

GR: Wir drücken die Daumen, dass es nie mehr passiert. ;)

Freddy: Das mache ich auch. (lacht)

GR: Wird es nach der Domino Effect Tour eine DVD davon geben?

Freddy: Das ist zumindest nicht in Planung. Das Live-Album Made in Switzerland ist erst vor einem Jahr rausgekommen, ist also noch ziemlich frisch.

GR: 2008 findet die Fußball-EM in der Schweiz statt. Kann man da mit einem speziellen musikalischen Gotthard-Beitrag rechnen?

Freddy: Kann sein, kann auch nicht sein, wissen wir noch nicht. Wir haben uns auch schon darüber Gedanken gemacht. Wir wissen aber noch nicht genau, wie das nächstes Jahr abgehen wird, in wie fern da wirklich Musik eingebaut wird, weil schlussendlich ja jeder Sender z.B. TV-Sender in der Regel seinen eigenen Song hat. Die Frage ist, kann man da evtl. etwas mit einen Auftritt vor Ort machen - weiß ich noch nicht. Es gibt noch keine konkreten Pläne dazu.

GR: Du hast in der Band China gespielt, die sich jetzt wieder zusammen gefunden hat. Hätte es Dich gereizt, bei der Reunion dabei zu sein?

Freddy: Zum jetzigen Zeitpunkt, mit dem was ich jetzt mache - eigentlich nicht. Claudio hat mich damals angerufen, hat mir die ganze Geschichte erzählt, was geplant wurde, dass sie einfach ein paar Auftritte machen werden. Zum damaligen Zeitpunkt hieß es: es gibt keine neue Platte. Sie werden vielleicht für die Konzerte zwei, drei neue Lieder schreiben, aber das war’s dann. Und ich bin eigentlich mehr als happy, bei Gotthard zu sein. Mir geht’s gut hier, ich bin beschäftigt. Wenn ich jetzt nichts zu tun hätte und nicht bei Gotthard wäre, wäre es eine andere Geschichte. Da hätte ich sicher Freude dabei, aber in meiner jetzigen Situation... überhaupt nicht.

Bevor der erste Anruf von Leo vor 3 Jahren bei mir ankam und er mich anfragte, ob ich bei Gotthard einsteigen würde, hatten wir eigentlich schon eine Reunion geplant und hatten auch bereits eine Probe. Das war allerdings noch mit einem anderen Line-Up geplant, mit dem zweiten Sänger Patrick Mason und John Dommen an den Drums. Und dann kam der Anruf vom Leo - da musste ich eigentlich nicht sehr lange überlegen, bin dann ins Tessin gezogen und da fiel auch die ganze Reunion ins Wasser. Und jetzt gibt es einen zweiten Anlauf und du, was ich sehr gerne machen würde - wenn ich dazu komme - ist die Band ein-bis zweimal live schauen gehen. Denn ich habe China noch nicht von vorne gesehen. Auf jeden Fall wünsche ich den Jungs viel Erfolg, das alles klappt und vor allem, dass sie viel Freude dabei haben.

GR: Wie viele Gitarren hast Du insgesamt und gibt es ein Lieblingsmodell?

Freddy: Wie viele ich habe, weiß ich nicht wirklich, denn es liegen überall welche rum: in meinem alten Wohnort in Winterthur liegen noch irgendwie vier, fünf rum, bei einem Kollegen in Frauenfeld sind es noch zehn Stück. Im Übungsraum stehen fünf, sechs und bei mir zu Hause liegen, wenn ich da rumschaue... fünf.

Lieblingsinstrument: habe ich eins oder zwei. Es gibt da eine Les Paul, die ich schon lange nicht mehr gespielt habe. Und jetzt erwarte ich eigentlich auch zwei, drei neue Gitarren. Ich bin sehr zufrieden z.B. mit der Duesenberg, die ich spiele. Es gibt ein Gretsch-Modell, das ich super finde. Wobei ich eher der Gitarrist bin, der die Gitarre mehr wie ein Werkzeug anschaut, als ein emotionales hölzernes Teil. Ich bin kein Jimi Hendrix, der eine Hassliebe entwickelt hat und die Gitarre anzünden muss. (lacht)

GR: Freddy, vielen Dank für dieses Interview und für die Zeit, die du uns geopfert hast.

Unser Dank geht auch an Nuclear Blast!




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